Golf Etiquette: Golfer oder Schein-Golfer? | Warum Verhalten auf dem Platz zählt
- Mike Forster

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Gutes Golf ist optional – ein guter Golfer zu sein nicht. ⛳🤍
In meinem letzten Blogpost – Golf Regel Nr. 1: Mehr als nur Regeln – das Herz des Spiels freisetzen – ging es um die grundsätzliche Haltung, die Golf eigentlich ausmacht.
Jetzt möchte ich diesen Rahmen weiterdenken – und über ein Thema sprechen, das oft unterschätzt wird: Wie wir uns als Golfer auf dem Platz und der Range verhalten.
Denn genau hier entscheidet sich, ob Golf für alle angenehm bleibt – oder nicht.
Diese Frage höre ich sehr oft: Warum wirken Golfplätze manchmal unfreundlich – und warum grüßt hier eigentlich niemand?
Gehen wir von nicht bewusst aus. Das ist die freundlichere Variante.
Diese Frage höre ich sehr oft: Warum wirken Golfplätze manchmal unfreundlich – und warum grüßt hier eigentlich niemand?
Besonders oft höre ich sie als jemand, der nicht im österreichischen Golfsystem aufgewachsen ist.
Genau das hilft mir, die Situation klarer einzuordnen. Ich habe unterschiedliche Golfkulturen erlebt und sehe dadurch recht schnell, was wirklich dahintersteckt – und was vielleicht nur ein Eindruck ist.
Was folgt, ist meine persönliche Einschätzung als Coach. Kein offizielles Statement – sondern das, was ich tagtäglich auf der Anlage erlebe.
Dieser Beitrag hat nichts mit Spielstärke zu tun. Wirklich nichts.
Ich habe schon viele neue Golfer erlebt, die sich besser verhalten – und teilweise sogar besser greifen – als Spieler, die seit Jahren dabei sind und richtig gute Scores spielen.
Score und Technik sind etwas sehr Persönliches. Am Ende des Tages interessieren sie niemanden außer den Spieler selbst.
Jeder spielt die Hauptrolle in seinem eigenen Golf-Film.
Die eigentliche Frage ist nur: Spielen wir diese Rolle so, dass der Tag für alle angenehmer wird – inklusive für uns selbst?
Wenn dein Ziel ist, dein bestes mögliches Handicap zu spielen: großartig. Mach weiter so.
Aber vergiss nicht – im großen Bild ist das Handicap nur ein kleiner Teil des Spiels.
Viele Menschen spielen Golf aus ganz anderen Gründen, und das ist völlig in Ordnung.
Warum Golfplätze manchmal unfreundlich wirken
Golfplätze können auf den ersten Blick ziemlich unfreundlich wirken.
Überall Schilder: was erlaubt ist, was nicht, wo man gehen darf, wo nicht, wie schnell man spielen soll. Immer wieder höre ich, dass Leute sagen, Golfer seien unfreundlich oder dass in Tuttendörfl niemand grüßt.
Ich verstehe, warum sich das so anfühlen kann – aber ich teile diese Meinung nicht ganz.
Das ist kein Großstadt-Anonymitätsproblem. Es gibt genug Golfclubs in großen Städten, in denen die Mitglieder extrem freundlich sind. Echte Golfer sind freundlich.
Was Tuttendörfl unterscheidet, ist etwas anderes: Größe und Durchmischung.
Tuttendörfl ist ein großer Betrieb – eine der größten Driving Ranges und Akademien überhaupt und inzwischen wahrscheinlich eine der modernsten in Europa.
Zu jeder Zeit ist hier viel los.
Rund die Hälfte der Menschen hier sind keine Mitglieder. Viele kommen ausschließlich zum Trainieren. Andere sind ganz neu im Golf – und manche wissen selbst nicht genau, ob sie „dazugehören“.
Diese Mischung macht Tuttendörfl besonders – und manchmal auch ein wenig widersprüchlich.
Manche fühlen sich sofort zu Hause. Andere fühlen sich wie Besucher. Manche sind einfach auf der Durchreise.
Das kann eine gemischte Atmosphäre erzeugen. Das ist Realität. Trotzdem:
Schlechte Umgangsformen sind keine Ausrede.
Das ist kein Tuttendörfl-Problem – das ist ein Menschen-Problem.
Und genau hier kommt mein Rat:
Sprich es an. Höflich, ruhig und ohne Drama. Ich mache das regelmäßig.
Die neue Driving Range hat diesen langen Gang – von der ersten Ballmaschine bis ganz nach hinten, wo ich bin.
Wenn ich da entlanggehe, kommt mir oft ein einzelner Spieler entgegen.
Es fühlt sich manchmal an wie eine Szene aus „Gunfight at the OK Corral“ – auf Deutsch etwa: Zwei rechnen ab.
Ich mache daraus ein Spiel. Blickkontakt. Ich halte ihn. Und ich warte …
Sagt der andere zuerst „Hallo“ → Matchpunkt für ihn.
Weicht der Blick aus und es kommt ein gemurmeltes Irgendwas → Punkt für mich.
Kommt gar nichts zurück, sage ich es nochmal. Lauter. Und oft mit einem „schönes Spiel“ als Zugabe. Zwei Punkte für mich. Spaß beiseite: Es funktioniert.
Und vor allem erinnert es die Leute – ganz sanft – daran, dass Golf ein gemeinsamer Raum ist und Höflichkeit dazugehört.
Genau diese Haltung ist auch ein zentraler Teil meiner Arbeit als Golflehrer.
Das „Ich-Problem“
Spieler im „Ich-Modus“ erkennt man schnell – unabhängig von ihrer Spielstärke.
Typische Merkmale:
Ständig zu spät zur Tee-Time
Missachtung der Startzeiten
Gruppen aufsplitten oder einfach losgehen
Der Einzel-Rennfahrer, der Druck macht und Löcher überspringt
Das hat nichts mit Golf zu tun. Und nein – das betrifft nicht Anfänger, die in Ruhe Selbstvertrauen aufbauen wollen. Aber Samstag um 10 Uhr ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Früh morgens oder spät abends sehr wohl.
Golf Etiquette ist nicht optional
Das Ich-Denken zeigt sich auch in kleineren, aber wirkungsvollen Dingen:
Pitchmarks und Divots werden nicht repariert
Zweiter Abschlag, weil der erste „nicht gut genug“ war
Endlose Probeschwünge
Nie spielbereit, wenn man an der Reihe ist
Das Ergebnis: Der Rhythmus der Gruppe ist weg. Alle anderen müssen schneller spielen, um auszugleichen.
Golf wird stressig statt entspannt.
Der Kaffeehaus-Golfer
Perfekt gepflegtes Equipment. Herumwandern, als hätte man etwas verloren. Spieltempo scheinbar egal.
Und dann gibt es noch den Dauer-Quatscher. Ich unterhalte mich gern. Ich würde eher heimgehen, als schweigend zu spielen. Aber Timing ist alles. Wenn jemand gerade spielen will oder sich vorbereitet, ist das nicht der Moment.
Golf heißt das Spiel lesen – und dazu gehören auch die Menschen um dich herum.
In vielerlei Hinsicht ist genau das das Spiel.
Ansprechen – aber richtig
Jeder Golfer hat meiner Meinung nach das Recht – ja sogar die Verantwortung –, Verhalten höflich und respektvoll anzusprechen, wenn es die Gruppe oder den Platz beeinträchtigt.
Ein ruhiger Hinweis bewirkt oft mehr, als man denkt.
Wenn sich jeder in Tuttendörfl an ein paar einfache Grundsätze halten würde, wäre der Platz sofort für alle angenehmer.
Ein einfacher Rahmen für 2026
Wenn du sonst nichts mitnimmst, dann das hier:
Repariere pro Runde mindestens eine Pitchmark, die nicht von dir ist
Sei spielbereit, wenn du an der Reihe bist
Sei 10 Minuten vor deiner Tee-Time bereit
Ein Abschlag – und nur einer
Kein Stableford-Punkt mehr möglich? Ball aufnehmen
Begrüße pro Runde mindestens eine Person, die du nicht kennst
Das hat nichts mit Strenge zu tun. Es geht um Respekt – gegenüber dem Platz, den Mitspielern und dem Spiel selbst.
Gutes Golf ist optional – ein guter Golfer zu sein nicht. ⛳🤍
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